25 Jahre Weihnachtsmarkt Entlebuch

25 Jahre und
kein bisschen
Müde

1995 fiel der Start­schuss für den ersten Weih­nachts­markt Entlebuch. Einmal um Haares­breite am Aus vorbei, gibt es ihn 25 Jahre später immer noch. Wir haben drei «alte Hasen» des OK zur Talk-Runde einge­laden: Markus Zehnder, Claudia Schmid und Mägu Huwiler.

Lesen Sie hier die Fort­setzung des Interviews aus dem Stern­stunden­führer. Und für alle, die keinen Stern­stunden­führer haben, gibt’s an dieser Stelle auch das ganze Interview zum Lesen.

Interview: Tiziana Lioni
Interview-Fortsetzung
«Es sah dann fast so aus, dass wir unseren Weihnachts­markt um eine Woche verschieben müssen.»

Wie habt ihr auf die Absage reagiert?

Claudia: Als wir die Stände von Schüpf­heim nicht mehr bekamen, dann haben alle vom OK wie wild herum­telefoniert. Einfach wer uns in den Sinn kam. Wir hatten uns unter­einander nicht abge­sprochen, wer wen anruft. Und so wurde jemand mehr­mals hinter­einander angerufen. Dieser meinte nur, ob wir uns denn nicht absprechen.
Mägu: Es war halt nichts organisiert.
Claudia: Es sah dann fast so aus, dass wir unseren Weihnachts­markt um eine Woche ver­schieben müssen, da wir die Stände nicht mehr bekamen. Das kam für uns aber nicht in Frage. Wir hatten Aussteller mit Advents­kränzen. Und wer will schon einen Advents­kranz kaufen am 2. Advent?
Mägu: Das Weihnachts­markt-Datum beizu­behalten war der beste Entscheid.

Und wie konntet ihr dann doch noch genügend Stände organisieren?

Claudia: Wir gingen nach Willisau auf Stand­suche.
Mägu: Genau, wir schauten mit Willisau und ein paar Jahre machten wir das so. Aber mit dem Holen und Bringen war es halt auch so eine Sache.

«Die Autos sind durchs Dorf gefahren wie die Wahn­sinnigen.»

Was war denn das Problem?

Markus: Es waren zwischen­zeitlich so viele Stände, dass wir die auf beiden Seiten entlang der Haupt­strasse auf­stellten. Da aber die Kirchen­mauer weiter nach vorne kam, mussten wir die Stände etwas in die Strasse stellen.
Mägu: Das machten wir am morgen früh. Die Gemeinde hat auch noch geholfen und wir hatten orange Westen an, aber die Autos sind durchs Dorf gefahren wie die Wahn­sinnigen.
Markus: Das war wirk­lich ein Problem. Es gab auch bedenken, dass einmal ein Unfall mit einem Auto passieren könnte. Wir konnten die Strasse ja nicht sperren.
Claudia: Aber später konnten wir den Verkehr Richtung Schüpf­heim über die Bahnhof­strasse umleiten. Das ging aber irgend­wie nur, wenn es nicht geschneit hat.
Markus: Genau. Die Polizei hat das bewilligt. Aber wenn Schnee gefallen wäre und ein Last­wagen hätte die Spitz­kehre bei Coiffeur Marta machen müssen, hätten wir den Markt abbrechen und die Spur freigeben müssen. Das war eine Zitter­partie.
(lachen)

Und darauf wurde der Weihnachts­markt an den jetzigen Standort beim Schul­haus Pfrund­matt verlegt?

Mägu: Etwa fünf Jahre später?
(Markus blättert in einem Ordner)
Claudia: Es war etwa im 2000.
Mägu: Es ging schon von der Menge der Stände nicht mehr. Zudem wurde es immer gefähr­licher, am Morgen früh die Stände entlang der Strasse aufzu­stellen. Und tagsüber mit den Kinder­wagen und allem drum und dran. Es war einfach zu gefährlich.
Da kam mir die Idee mit dem unteren Schul­haus. Ich hätte nicht mehr mitge­macht, wenn wir das nicht nach unten ver­lagert hätten. Das gab aber ganz böses Blut.
Markus: Ja, dann hiess es plötzlich, wenn wir den Stand nicht vor unserem Geschäft haben können, machen wir nicht mehr mit.
Claudia: Vor allem hatten wir vom OK damals die Stände noch selbst aufge­stellt am Freitag Nach­mittag und am Samstag Abend nach dem Markt wieder abgebaut. Da fing der Markt noch um 9 Uhr morgens an – das war wirklich viel.
Mägu: Das war Knochen­arbeit. Ja, aber dort unten war für uns perfekt. Jeder hat gerühmt, bis auf einige wenige. Das musste ich mir etwa drei Jahre anhören: «Oben war es doch viel schöner mit den Sternen als Deko und jetzt geht ihr dort hinunter.».

Nun musstet ihr also noch mehr Stände für den grossen Platz haben? Kam Dir Mägu dann die Idee, Stände selbst zu schreinern?

Mägu: Ja, ich hatte mal gesagt, dass ich die Stände irgend­wann selbst mache, weil es so mühsam ist. Irgend­wann im September hatten wir eine OK-Sitzung und da hiess es: Du Mägu, du hast doch mal gesagt, dass du die Stände machst… ja schei…
Also, ein Mann ein Wort. Ich hatte von Willisau einen Stand, mass den aus, bestellte Holz und machte Stände. 30 Stück (kann es selbst kaum glauben).
Ich nahm 30’000 Franken in die Finger, um die Stände zu machen … Heute bin ich froh, dass wir die Stände gemacht haben.
Markus: Ja, das war fabel­haft. Das sah ganz anders aus.
Mägu: Dann habe ich mit meinen zwei Arbeitern die Stände aufge­stellt und am Abend wieder abge­räumt, da ich der Bauchef war.
Markus: Und dann alles mitein­ander einge­lagert, absolut hammer­mässig.

Wie lange hattet ihr denn dafür?

Mägu: Zwei Arbeiter und ich: andert­halb Tage, alles in Fron­arbeit. Das ist auch heute noch alles Fron­arbeit.
Claudia: Früher, als ich euch noch das Znüni brachte, machte ich sogar die Sand­wiches noch selbst. Bis es dann hiess, dass ich die schon kaufen dürfe. So viel Geld hätten wir dann schon.

«Und so stand der Weihnachts­markt vor dem Aus.»

Jetzt war also alles perfekt? Der neue Standort, die neuen Stände…

Markus: …es war das Jahr, wo auch die Gewerbe­ausstellung war. Bis dahin hatten wir noch kein richtiges OK. Alle haben ge­arbeitet und vieles lief einfach unter der Hand. Irgend­wie wurde das alles zu viel. Man fand, dass das so nicht mehr geht.
Es gab dann eine Sitzung im Pfarreiheim. Jemand hatte dann wieder die Idee, die Jung­wacht fix zu involvieren – diese war ja nicht mehr dabei gewesen. Das wurde aber nichts und so stand der Weihnachts­markt vor dem Aus.
Aber Heinz Hostettler, der Mann der Pfarrei­heim­abwartin, hatte dies gehört: «Das wäre aber auch schade, wenn der Weihnachts­markt nicht mehr statt­finden würde. Irgend­wie müsste jemand die Gesamt­leitung über­nehmen». Und so ware es Antoinette, die das über­nahm. Von da an gab es ein kleines Komitee mit verschie­denen Ressorts.

(Markus hat in einem Ordner einen Stand­plan gefunden)
Markus: Im 2001 waren es doch immer­hin 51 Stände (blättert weiter). Im Jahr drauf kamen die Mottos: (liest vor) «Projekt Weihnachts­zauber», «Man trifft sich bei der Krippe». Da gab es eine Krippen­ausstellung im Pavillon.
Claudia: Und einmal war «Entlebuch, das Dorf der 1000 Sterne». Da bastelten wir Sterne. Ich fragte im Alters­heim, ob sie Sterne machen würden, ich habe gebastelt, Leute haben ange­rufen, dass sie auch Sterne gemacht haben. Die ver­teilten wir dann in den Geschäften. Am Schluss waren es über 1000 Sterne!
Markus: Ja, und mit Martin Hunziker – das ist ein Name, der unbe­dingt erwähnt werden muss – kam auch die Idee mit den Künstlern.
Und Jörg Bühlmann hat das Sponsoring einge­führt – wir waren damals in den Negativ­zahlen. Es war ja so, dass am Anfang der Markt unter den Detaillisten lief. Die Detaillisten gehörten zu den Gewerblern und der Gewerbe­verband hat zum Glück eine Defizit­garantie über­nommen. Mit der Zeit wurde die in einen festen, jährlichen Betrag umge­wandelt. Die ersten Weihnachts­markt-Plakate waren auch ent­sprechend unter­schrieben mit «Ihre Detaillisten aus Entlebuch».
Mägu: Im 2002 gab’s auch den ersten Christ­baum.

«Dann haben wir den Not­strom ange­worfen, tagg, jöööö.»

Also die grosse Tanne beim Schulhaus­platz?

Mägu: Genau. Die musste natürlich auch beleuchtet werden. Aber da hatten wir noch keine Lämpchen und so studierte ich zu­sammen mit Meier Willi, wie wir den Baum beleuchten können. Ich hatte dann die Idee mit den Schein­werfern, die wir auf der Tanne anbringen. Aber ob dies so funktio­nieren würde, wussten wir nicht. Also organisierte ich Notstrom­aggregat, Kabel­rollen, 10 oder 12 Schein­werfer und probierten dies an der Tanne bei mir in der Wald­hütte aus. Zwei Stunden lang ging ich immer wieder rauf und runter und dekorierte die Tanne. Dann haben wir grilliert und eine Wurst gegessen – wir mussten ja warten bis es dunkel war. Dann haben wir den Not­strom ange­worfen, tagg, jöööö. Wir schauten die beleuchtete Tanne an und freuten uns wie zwei kleine Kinder. Eine halbe Stunde bestaunten wir die beleuchtete Tanne. Und dann war es Finster – Stock­finster. Und ich musste ja die ganzen Schein­werfer wieder runter­holen. (lacht)
Claudia: Ja, Willi erzählte, dass Mägu wie ein Äffchen den Baum hoch- und runter­geklettert ist.
Mägu: Wir entschieden, dass wir das so machen. Das war dann unsere Christbaum­beleuchtung.

«Es hat nur so geknackt: First kaputt, Böckli kaputt…»

Inzwischen sind es zwei Christ­bäume, die mit­unter für eine schöne Stimmung sorgen. Besonders schön ist es natürlich, wenn alles ver­schneit ist…

Claudia: Oh ja, es ist noch gar nicht so lange her, als es in der Nacht auf Samstag geschneit hatte. Da war ich mit meinem Mann extra um 7 Uhr in der früh dort und wir kamen ins Rotieren wegen dem vielen Schnee. Ein Stand war sogar zusammen­gefallen unter der Last des Schnees.
Mägu: Ja, es war ein Chaos. Ich hatte noch zwei andere Probleme: beim Schnee­räumen fuhr der Abwart in einen Stand, was noch kein Problem war. Ich hatte ja einen Stand auf Reserve. Aber dann kam ein Aus­steller mit seinem Fahr­zeug etwas gar schnell. Ich schrie: Anhalten! Anhalten!
Aber der fuhr einfach weiter und kam ins Rutschen. Päng! In den Stand rein – es hat nur so geknackt: First kaputt, Böckli kaputt …
Dann mussten Ruedi Bieri und Heinz Ludwig nach Willisau fahren und einen neuen Stand holen. Zum Glück hatten sie den Entla-Liefer­wagen. Und dann mussten wir noch alle Stände vom Schnee befreien – es war Stress pur.
Claudia: Ja, nur wir vom OK waren dort, weil es so geschneit hatte. Aber mit dem Schnee war es eine richtig weih­nächtliche Stimmung.

Claudia, Markus, Mägu – ganz herz­lichen Dank für eure Zeit und das Mit­nehmen auf eine Reise in ver­gangene Zeiten.

Gesamtes Interview

«Wir waren zu fünft mit vier Ständen.»

Markus, du bist ja quasi der «Vater» des Entlebucher ­Weihnachts­marktes. Wie kam’s dazu?

Markus: Im August 1995 habe ich die Drogerie Entlebuch über­nommen. Das war noch die alte Drogerie und ­vis-à-vis befand sich das Blumen­geschäft von Ursula Huber. Es war bereits November, als Ursi und ich uns über die Strasse unter­hielten. Da fragte ich sie, ob es hier in Entlebuch auch einen Weihnachts­markt gibt. «Nein, haben wir nicht». «Wollen wir einen organi­sieren?» fragte ich sie einfach. Und so waren wir es – Ursi, Florian Wigger und ich – die den ersten Weihnachts­markt Entlebuch voran­trieben.

«Da gingen die Besucher vorne rauf, liefen über die Terrasse und auf der anderen Seite die Treppe runter.»

Konntet ihr denn viele Aussteller für die Erstausgabe des Weihnachtsmarkts gewinnen?

Markus: Es war ja so kurz­fristig und so erteilten uns die meisten Geschäfte Absagen. Bis auf Renggli Fritz, der mit seiner Bäckerei etwa einen Monat vor mir gestartet hat, der sagte zu. Dabei waren auch Yvonne Baum­gartner mit Wolle und Second Hand-Sachen. Und mit ihr zusammen am Stand war Maria Müller, wenn ich mich richtig erinnere.
Ich fand dann aber, dass die Kombination Kleider, Brötli und Drogerie etwas wenig hergibt. Es sollte schon noch etwas Weih­nächtliches dabei sein. Und so fragte ich Albert Huwiler an, der in Schüpf­heim im Dorf einen Kiosk mit Holz­spielzeug hatte. Dieser war dann mit seinen Holz­sachen da.
Mägu: Da wart ihr noch auf der Meienrisli-Terrasse?
Markus: Genau, wir waren zu fünft mit vier Ständen. Da gingen die Besucher vorne rauf, liefen über die Terrasse und auf der anderen Seite die Treppe runter.

Und da war ja noch der seltsame Samichlaus…

Markus: …Jemand hatte die Idee mit dem Samichlaus. Dieser war mit seinem Grill vorne an der Ecke zum Meienrisli und man konnte Brat­würste haben.
Mägu: Aber bereits am Nach­mittag zeichnete sich das Ende mit dem Samichlaus ab, noch ehe der Weihnachts­markt richtig begonnen hatte …
Markus: Auf alle Fälle war der Samichlaus am Weihnachts­markt für Jahre kein Thema mehr. Nix, nada.

Wie ging’s weiter mit dem Weihnachts­markt?

Markus: Im zweiten Jahr waren es etwa 12 Stände, die wiederum von der Gemeinde aufge­stellt wurden. Aber da gab es immer wieder Situationen, dass das Telefon ging und irgendein Aussteller den Stand ver­schoben haben wollte oder sonst irgend etwas. So sind wir von der Drogerie in den weissen Schürzen rum­gerannt und haben uns um die Stände gekümmert – während dem Drogerie­betrieb notabene.

In den Anfängen waren solche Sonder­einsätze wohl keine Ausnahme?

Claudia: Nein. Einmal, als der Markt noch an der Haupt­strasse war und es so geregnet hat, organi­sierte Markus um fünf Uhr morgens Plastik, um die Stände zu decken.
Mägu: Den hatte Markus im Estrich bereit für alle Fälle.
Markus: Ja, wir hatten in der Landi ein oder zwei riesige ­Rollen gekauft. Es war halt eben so, dass wir von der Drogerie anfäng­lich für die Stände schauten, dass alles klappte. Aber schon kurz darauf gab es frei­willige Helfer wie Egli Otti, Franz Studer und soviel ich weiss Sepp Schumacher.

«Punkt 16 Uhr hatte ich kein Licht mehr – nichts.»

Und da wurde alles besser?

Markus: Es gab so Sachen, wie mit dem Strom. Da arbei­teten wir noch nicht mit den CKW zusammen. Sondern ich ging zwei, drei Tage vor dem Markt an den Haus­türen klingeln und fragte, ob wir im Keller oder einem Zimmer ein Ver­längerungsk­abel an­schliessen dürfen für den Strom. Es waren ja nur ein paar Stände entlang der Strasse.
Claudia: Genau, ich hatte damals den Strom aus dem Radio­geschäft von Strasser Erich. Punkt 16 Uhr hatte ich kein Licht mehr – nichts. Es war Samstag und der Laden hat da einfach Feier­abend gemacht. Da musste ich dann nebenan bei der Metzg fragen, ob wir von ihnen Strom haben dürfen.

Markus, du hast vorhin erwähnt, dass ihr die Stände von der Gemeinde hattet?

Markus: Ja, wir hatten von der Gemeinde etwa 12 Stände, wovon drei oder so in ganz schlimmen Zustand waren.
Mägu: PDID-Stände vom Militär waren das. Die waren ver­schmutzt, schwer, mit «Chröppel»-Böcken und man musste sie mit Plastik decken.
Markus: Die hatten kein Dach wie die heutigen Stände. Wir mussten sie mit trans­parenter Folie decken. Das sah über­haupt nicht schön aus, war mühsam und aufwändig.
Mit der Zeit waren es dann zu wenig Stände und so haben wir diese aus Schüpf­heim oder Escholz­matt organisiert. Die mussten dort abgeholt werden. Mägu oder Egli Otti haben das gemacht.
Claudia: Oder Martin Hunziker.
Markus: Genau, als wir die Stände von Willsau hatten. Martin fuhr damals mit einem grösseren Camion. Aber als unser Markt grösser wurde, wurde das zu mühsam. Und so über­legte man, die Jung­wacht dafür einzu­setzen. Man fragte also Didi, Dietmar Hofstetter, der damals Schar­führer war. Sie haben das dann organisiert und fuhren mit einem Traktor nach Schüpf­heim und stellten die Stände auf. Das war für die Jugend­lichen natürlich nicht so einfach … auf alle Fälle, es lief so wie es lief. Es war hand­gestrickt, die Stände waren mal von da, mal von dort.
Dann hiess es von Schüpf­heim plötzlich, man habe nun einen eigenen Weihnachts­markt und könne die Stände nicht mehr geben.

«Es sah dann fast so aus, dass wir unseren Weihnachts­markt um eine Woche verschieben müssen.»

Wie habt ihr auf die Absage reagiert?

Claudia: Als wir die Stände von Schüpf­heim nicht mehr bekamen, dann haben alle vom OK wie wild herum­telefoniert. Einfach wer uns in den Sinn kam. Wir hatten uns unter­einander nicht abge­sprochen, wer wen anruft. Und so wurde jemand mehr­mals hinter­einander angerufen. Dieser meinte nur, ob wir uns denn nicht absprechen.
Mägu: Es war halt nichts organisiert.
Claudia: Es sah dann fast so aus, dass wir unseren Weihnachts­markt um eine Woche ver­schieben müssen, da wir die Stände nicht mehr bekamen. Das kam für uns aber nicht in Frage. Wir hatten Aussteller mit Advents­kränzen. Und wer will schon einen Advents­kranz kaufen am 2. Advent?
Mägu: Das Weihnachts­markt-Datum beizu­behalten war der beste Entscheid.

Und wie konntet ihr dann doch noch genügend Stände organisieren?

Claudia: Wir gingen nach Willisau auf Stand­suche.
Mägu: Genau, wir schauten mit Willisau und ein paar Jahre machten wir das so. Aber mit dem Holen und Bringen war es halt auch so eine Sache.

«Die Autos sind durchs Dorf gefahren wie die Wahn­sinnigen.»

Was war denn das Problem?

Markus: Es waren zwischen­zeitlich so viele Stände, dass wir die auf beiden Seiten entlang der Haupt­strasse auf­stellten. Da aber die Kirchen­mauer weiter nach vorne kam, mussten wir die Stände etwas in die Strasse stellen.
Mägu: Das machten wir am morgen früh. Die Gemeinde hat auch noch geholfen und wir hatten orange Westen an, aber die Autos sind durchs Dorf gefahren wie die Wahn­sinnigen.
Markus: Das war wirk­lich ein Problem. Es gab auch bedenken, dass einmal ein Unfall mit einem Auto passieren könnte. Wir konnten die Strasse ja nicht sperren.
Claudia: Aber später konnten wir den Verkehr Richtung Schüpf­heim über die Bahnhof­strasse umleiten. Das ging aber irgend­wie nur, wenn es nicht geschneit hat.
Markus: Genau. Die Polizei hat das bewilligt. Aber wenn Schnee gefallen wäre und ein Last­wagen hätte die Spitz­kehre bei Coiffeur Marta machen müssen, hätten wir den Markt abbrechen und die Spur freigeben müssen. Das war eine Zitter­partie.
(lachen)

Und darauf wurde der Weihnachts­markt an den jetzigen Standort beim Schul­haus Pfrund­matt verlegt?

Mägu: Etwa fünf Jahre später?
(Markus blättert in einem Ordner)
Claudia: Es war etwa im 2000.
Mägu: Es ging schon von der Menge der Stände nicht mehr. Zudem wurde es immer gefähr­licher, am Morgen früh die Stände entlang der Strasse aufzu­stellen. Und tagsüber mit den Kinder­wagen und allem drum und dran. Es war einfach zu gefährlich.
Da kam mir die Idee mit dem unteren Schul­haus. Ich hätte nicht mehr mitge­macht, wenn wir das nicht nach unten ver­lagert hätten. Das gab aber ganz böses Blut.
Markus: Ja, dann hiess es plötzlich, wenn wir den Stand nicht vor unserem Geschäft haben können, machen wir nicht mehr mit.
Claudia: Vor allem hatten wir vom OK damals die Stände noch selbst aufge­stellt am Freitag Nach­mittag und am Samstag Abend nach dem Markt wieder abgebaut. Da fing der Markt noch um 9 Uhr morgens an – das war wirklich viel.
Mägu: Das war Knochen­arbeit. Ja, aber dort unten war für uns perfekt. Jeder hat gerühmt, bis auf einige wenige. Das musste ich mir etwa drei Jahre anhören: «Oben war es doch viel schöner mit den Sternen als Deko und jetzt geht ihr dort hinunter.».

Nun musstet ihr also noch mehr Stände für den grossen Platz haben? Kam Dir Mägu dann die Idee, Stände selbst zu schreinern?

Mägu: Ja, ich hatte mal gesagt, dass ich die Stände irgend­wann selbst mache, weil es so mühsam ist. Irgend­wann im September hatten wir eine OK-Sitzung und da hiess es: Du Mägu, du hast doch mal gesagt, dass du die Stände machst… ja schei…
Also, ein Mann ein Wort. Ich hatte von Willisau einen Stand, mass den aus, bestellte Holz und machte Stände. 30 Stück (kann es selbst kaum glauben).
Ich nahm 30’000 Franken in die Finger, um die Stände zu machen … Heute bin ich froh, dass wir die Stände gemacht haben.
Markus: Ja, das war fabel­haft. Das sah ganz anders aus.
Mägu: Dann habe ich mit meinen zwei Arbeitern die Stände aufge­stellt und am Abend wieder abge­räumt, da ich der Bauchef war.
Markus: Und dann alles mitein­ander einge­lagert, absolut hammer­mässig.

Wie lange hattet ihr denn dafür?

Mägu: Zwei Arbeiter und ich: andert­halb Tage, alles in Fron­arbeit. Das ist auch heute noch alles Fron­arbeit.
Claudia: Früher, als ich euch noch das Znüni brachte, machte ich sogar die Sand­wiches noch selbst. Bis es dann hiess, dass ich die schon kaufen dürfe. So viel Geld hätten wir dann schon.

«Und so stand der Weihnachts­markt vor dem Aus.»

Jetzt war also alles perfekt? Der neue Standort, die neuen Stände…

Markus: …es war das Jahr, wo auch die Gewerbe­ausstellung war. Bis dahin hatten wir noch kein richtiges OK. Alle haben ge­arbeitet und vieles lief einfach unter der Hand. Irgend­wie wurde das alles zu viel. Man fand, dass das so nicht mehr geht.
Es gab dann eine Sitzung im Pfarreiheim. Jemand hatte dann wieder die Idee, die Jung­wacht fix zu involvieren – diese war ja nicht mehr dabei gewesen. Das wurde aber nichts und so stand der Weihnachts­markt vor dem Aus.
Aber Heinz Hostettler, der Mann der Pfarrei­heim­abwartin, hatte dies gehört: «Das wäre aber auch schade, wenn der Weihnachts­markt nicht mehr statt­finden würde. Irgend­wie müsste jemand die Gesamt­leitung über­nehmen». Und so ware es Antoinette, die das über­nahm. Von da an gab es ein kleines Komitee mit verschie­denen Ressorts.

(Markus hat in einem Ordner einen Stand­plan gefunden)
Markus: Im 2001 waren es doch immer­hin 51 Stände (blättert weiter). Im Jahr drauf kamen die Mottos: (liest vor) «Projekt Weihnachts­zauber», «Man trifft sich bei der Krippe». Da gab es eine Krippen­ausstellung im Pavillon.
Claudia: Und einmal war «Entlebuch, das Dorf der 1000 Sterne». Da bastelten wir Sterne. Ich fragte im Alters­heim, ob sie Sterne machen würden, ich habe gebastelt, Leute haben ange­rufen, dass sie auch Sterne gemacht haben. Die ver­teilten wir dann in den Geschäften. Am Schluss waren es über 1000 Sterne!
Markus: Ja, und mit Martin Hunziker – das ist ein Name, der unbe­dingt erwähnt werden muss – kam auch die Idee mit den Künstlern.
Und Jörg Bühlmann hat das Sponsoring einge­führt – wir waren damals in den Negativ­zahlen. Es war ja so, dass am Anfang der Markt unter den Detaillisten lief. Die Detaillisten gehörten zu den Gewerblern und der Gewerbe­verband hat zum Glück eine Defizit­garantie über­nommen. Mit der Zeit wurde die in einen festen, jährlichen Betrag umge­wandelt. Die ersten Weihnachts­markt-Plakate waren auch ent­sprechend unter­schrieben mit «Ihre Detaillisten aus Entlebuch».
Mägu: Im 2002 gab’s auch den ersten Christ­baum.

«Dann haben wir den Not­strom ange­worfen, tagg, jöööö.»

Also die grosse Tanne beim Schulhaus­platz?

Mägu: Genau. Die musste natürlich auch beleuchtet werden. Aber da hatten wir noch keine Lämpchen und so studierte ich zu­sammen mit Meier Willi, wie wir den Baum beleuchten können. Ich hatte dann die Idee mit den Schein­werfern, die wir auf der Tanne anbringen. Aber ob dies so funktio­nieren würde, wussten wir nicht. Also organisierte ich Notstrom­aggregat, Kabel­rollen, 10 oder 12 Schein­werfer und probierten dies an der Tanne bei mir in der Wald­hütte aus. Zwei Stunden lang ging ich immer wieder rauf und runter und dekorierte die Tanne. Dann haben wir grilliert und eine Wurst gegessen – wir mussten ja warten bis es dunkel war. Dann haben wir den Not­strom ange­worfen, tagg, jöööö. Wir schauten die beleuchtete Tanne an und freuten uns wie zwei kleine Kinder. Eine halbe Stunde bestaunten wir die beleuchtete Tanne. Und dann war es Finster – Stock­finster. Und ich musste ja die ganzen Schein­werfer wieder runter­holen. (lacht)
Claudia: Ja, Willi erzählte, dass Mägu wie ein Äffchen den Baum hoch- und runter­geklettert ist.
Mägu: Wir entschieden, dass wir das so machen. Das war dann unsere Christbaum­beleuchtung.

«Es hat nur so geknackt: First kaputt, Böckli kaputt…»

Inzwischen sind es zwei Christ­bäume, die mit­unter für eine schöne Stimmung sorgen. Besonders schön ist es natürlich, wenn alles ver­schneit ist…

Claudia: Oh ja, es ist noch gar nicht so lange her, als es in der Nacht auf Samstag geschneit hatte. Da war ich mit meinem Mann extra um 7 Uhr in der früh dort und wir kamen ins Rotieren wegen dem vielen Schnee. Ein Stand war sogar zusammen­gefallen unter der Last des Schnees.
Mägu: Ja, es war ein Chaos. Ich hatte noch zwei andere Probleme: beim Schnee­räumen fuhr der Abwart in einen Stand, was noch kein Problem war. Ich hatte ja einen Stand auf Reserve. Aber dann kam ein Aus­steller mit seinem Fahr­zeug etwas gar schnell. Ich schrie: Anhalten! Anhalten!
Aber der fuhr einfach weiter und kam ins Rutschen. Päng! In den Stand rein – es hat nur so geknackt: First kaputt, Böckli kaputt…
Dann mussten Ruedi Bieri und Heinz Ludwig nach Willisau fahren und einen neuen Stand holen. Zum Glück hatten sie den Entla-Liefer­wagen. Und dann mussten wir noch alle Stände vom Schnee befreien – es war Stress pur.
Claudia: Ja, nur wir vom OK waren dort, weil es so geschneit hatte. Aber mit dem Schnee war es eine richtig weih­nächtliche Stimmung.

Claudia, Markus, Mägu – ganz herz­lichen Dank für eure Zeit und das Mit­nehmen auf eine Reise in ver­gangene Zeiten.